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In der Passionszeit geht es um Mitgefühl und es geht um Angst und Mut.

Wir fühlen mit, wie Jesus seinen Weg nach Jerusalem antritt, ... wie er die Autoritäten mit seiner Wahrheit provoziert, … wie sie ihn schließlich umbringen wollen. Wir stehen an der Seite der Jünger, die das alles nicht verstehen und es schließlich mit der Angst bekommen. Wir empfinden die Schläge und den Spott, die Jesus einstecken musste bis zum Schluss.

In der Passionszeit üben wir unser Mitgefühl. Und wir fragen uns, wie wir wohl gehandelt hätten, ... ob wir vor Angst weggelaufen wären oder ob wir Jesus besser verstanden hätten als die Jünger damals. Hätten wir den Mut gehabt, wie Jesus für die Wahrheit mit dem Leben einzustehen?

Das sind die klassischen Passionsgedanken.

Jetzt, wo die Corona-Epidemie an Dynamik gewinnt, bekommt das Passionsgefühl eine ganz neue Aktualität. Auch für die, denen es gut geht, wird die Angst plötzlich real. Die Verunsicherung, wie es mit einem ausgehen wird, können einige überspielen. Sie nimmt aber zu.

Jetzt verstehen wir die Jünger neu und auch Jesus, der wusste, dass er sterben wird. So ernst sind diese Geschichten von damals.

Es ist in unserer Kirche zur Mode geworden, diese Geschichten nicht mehr zu lesen. Die brutalen Gedanken, die finstere Konsequenz schienen nicht mehr zeitgemäß. Aber so ist das Leben. So kann es sein. Die Passionsgeschichte übt uns darin ein, dem Leben mutig zu begegnen – auch seinen finsteren Seiten. Und sie zeigt uns, wie man mutig für die Wahrheit eintritt.

Dass sie Angst hatten damals und wir heute Angst haben, gehört zum Mut. Mutige sind nicht furchtlos. Mutige gehen durch ihre Angst hindurch. Und sie tun das Richtige, weil das Leben es erfordert.

Unsere evangelische Kirche nimmt sich viele Wochen Zeit, die Passion Jesu zu meditieren, und auch die Evangelien räumen ihr breiten Raum ein. Man muss und man soll sich darin vertiefen, um stark zu werden. Nur, wenn man durch die Tiefe mit geht, wird man die Kraft der Auferstehung wirklich erleben.

Martin Eerenstein, Pfr.