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Dass wir sterben müssen … (Ps 90,12)

Die Möglichkeit, selber zu sterben, gerät mit dem Corona-Virus im eigenen Bewusstsein wieder stärker in den Vordergrund. Und alle Kräfte der Gesellschaft werden mobilisiert, um diesem Tod zu entgehen.

Der Eifer bei der Corona-Bekämpfung irritiert mich. Schließlich arbeiten viele daran, dass sie vorzeitig sterben. Wer raucht, wer Alkohol missbraucht, wer zu viel und falsch isst, wer sich zu wenig bewegt, wer eine Risikosportart betreibt, wer keinen Spaß hat - sie alle sorgen dafür, dass sie wahrscheinlich vorzeitig sterben werden. Zusätzlich werden viele frühe Tode in Kauf genommen durch Klimawandel, vorhersehbare Arbeitsunfälle, Armut und Kriege.

An den Beitrag zum eigenen Todestermin durch seinen Lebensstil hat man sich gewöhnt. Die Tode, die unsere Weltordnung hervorbringt, finden nicht vor unserer Haustür statt. Allerdings profitieren wir teilweise von ihnen. Erst, wenn Terroristen in unserem Land Anschläge verüben und Flüchtlinge vor der Tür stehen, fangen wir an, die Tode anderswo zu adressieren.

 

Manch einer hat sich ein rigoroses Gesundheitsprogramm verordnet, um länger gesund leben zu können. … Oder sollte man besser sagen, um seinen Tod einige Jahre hinaus zu zögern.

Insgesamt ist es doch so, dass unsere Lebensspanne sich enorm erweitert hat. Der gehobenen Wohlstand und ein hervorragendes und allgemein verfügbares Gesundheitswesen tragen dazu bei. Wer vernünftig lebt, über ein stabiles Einkommen verfügt und das Glück hat, Bürger unsres Landes zu sein, kann mit einem langen Leben rechnen.

Und genau das stellt Corona in Frage. Corona trifft auch und gerade die, die lange auf der Sonnenseite des Lebens lebten. Wer unter uns älter ist, hat in der Regel mehrere chronische Leiden. Man gewöhnt sich an sie, weil die Medizin uns zumindest stabilisiert. Und so wird man immer älter. Aber man ist doch geschwächt. Und gerade uns älteren begüterten Menschen kann Corona einige Jahre Lebensspanne abschneiden.

Für mich ist das der Grund, weshalb gerade alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, gerade diese Geißel der Menschheit zu bekämpfen. Diejenigen, die den frühen Tod außerhalb ihrer Grenzen halten konnten, weil sie die Macht dazu haben, sind jetzt bedroht.

Aber seien Sie unbesorgt. Auch diese Pandemie trifft mal wieder vor allem die Armen. Da bin ich mir ganz sicher. Die mit dem schlechten Lebensstil, die sozial Schwachen, die in schlecht geführten Staaten wird es vor allem treffen. Nur die Ahnung des eigenen Todes ist ein Wenig mehr in den Vordergrund getreten.

 

Lesen und bedenken Sie dazu bitte Psalm 90.

 

verfasst von Martin Eerenstein, Pfr.